Institutsgeschichte

Linguistik an der Universität Leipzig

Das Institut für Linguistik wurde am 7. Dezember 1998 gegründet. Die Ausrichtung des Instituts liegt auf der formalen Grammatiktheorie (insbesondere in Phonologie, Morphologie und Syntax), der Sprachtypologie und computationellen/experimentellen Zugängen zur Grammatik (der dritte Schwerpunkt ersetzt den bis 2016 durch Thomas Pechmann vertretenen Schwerpunkt Psycholinguistik). Das Institut ist bemüht, theoretische,  typologische und experimentelle Herangehensweisen zusammenzuführen.

In Kooperation mit Wissenschaftler_innen der Philologischen Fakultät, der Informatik und dem MPI für Kognitions- und Neurowissenschaften und dem MPI für Evolutionäre Anthropologie wurden verschiedene Verbundprojekte bei der DFG eingeworben: das Graduiertenkolleg Universalität und Diversität: Sprachliche Strukturen und Prozesse (1997-2006), die Forschergruppe Sprachtheoretische Grundlagen der Kognitionswissenschaft (1999-2006), die Forschergruppe Grammatik und Verarbeitung verbaler Argumente (2006-2012/13) und aktuell das Graduiertenkolleg Interaktion grammatischer Bausteine (seit 04/2014).

An der Leipziger Universität gibt es eine lange Tradition in der Sprachwissenschaft. Der erste Lehrstuhl für Allgemeine Sprachwissenschaft wurde 1887 besetzt. Die Fakultät entschied damals, dass es neben den philologischen Lehrstühlen eine Professur geben sollte, die sich dezidiert mit methodologischen und theoretischen Problemen der Sprachwissenschaft beschäftigt. Der erste Ordinarius war Karl Brugmann, einer der führenden Vertreter seines Faches, der die Intentionen der Fakultät glänzend erfüllte und Leipzig zu einem weltweiten Zentrum der Linguistik machte. Ähnliches gilt für Brugmanns Nachfolger, Wilhelm Streitberg. Gegründet wurde das Institut 1891 unter der Bezeichnung Indogermanisches Institut.

Nach 1918 wurden unter Einbeziehung der Lehrstühle für Slavistik und Baltistik die Vereinigten sprachwissenschaftlichen Institute gebildet. Viele der bedeutendsten Sprachwissenschaftler haben in Leipzig studiert und promoviert, so z.B. J. Baudouin de Courtenay, F. de Saussure, N. S. Trubetzkoy, L. Bloomfield und L. Tesnière. Diese Linguisten haben aus dem junggrammatischen Paradigma der historisch-vergleichenden Sprachwissenschaft heraus die neue synchrone Systembeschreibung der Sprache entwickelt. Einige von ihnen waren maßgeblich an der Ausbildung der frühen Formen des Strukturalismus beteiligt. In Leipzig ist man zunächst diesem Paradigma noch nicht gefolgt, aber die Nachfolger Streitbergs teilten das Interesse des früheren Strukturalismus an typologischen Fragen und an der Erforschung nicht-indoeuropäischer Sprachen.

Ende der fünfziger Jahre rückten bei der Neukonzipierung des Instituts grammatiktheoretische Fragen ins Zentrum. Mit Rudolf Růžička wurde die Leipziger Linguistik in die aktuelle internationale sprachtheoretische Diskussion zurückgeführt. Die Kontinuität zu den Junggrammatikern wurde in dem Bemühen um exakte Methoden und formal nachprüfbare Ergebnisse sichtbar. Als einziger Universität der DDR gelang es Leipzig, aus eigener Kraft und mit vorhandenem Personal einen Studiengang Allgemeine Sprachwissenschaft einzurichten.

Nach 1989 konnte sich die Universität Leipzig erneuern. Anita Steube war maßgeblich am Aufbau der Linguistik beteiligt. Die Linguistik wurde um Psycholinguistik und Sprachtypologie erweitert. 1991 wurde die Ausbildung im Magisterstudiengang Allgemeine Sprachwissenschaft aufgenommen. Seit 2006 wird am Institut im B.A.-Studiengang Linguistik, seit 2009 im M.A.-Studiengang Linguistik ausgebildet. Seit 2014 gibt es eine strukturierte Doktorandenausbildung im Graduiertenkolleg Interaktion grammatischer Bausteine.

letzte Änderung: 15.08.2017